Länder- und Sprachwahl:

10.11.2014

Interview mit Udo Kersting: „Ich will unsere Leistungen im Markt präsenter machen“

Seit Oktober ist Udo Kersting neu in der Geschäftsführung der vwd group, verantwortlich für Produktmanagement und Vertrieb. Sein Thema: Er will Kunden mit den passenden Services und Lösungen mehr Freiräume schaffen, damit sie sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren können.


 

Herr Kersting, Ihr Hauptaugenmerk gilt den Produkten und dem Vertrieb. Was ist Ihnen wichtig?

Ich kenne die vwd seit vielen Jahren als Kunde. So hatte ich durchaus die Erwartung, dass ich hier in ein Unternehmen mit einem breitgefächerten Produktangebot komme. Eine Vielzahl von Applikationen und Lösungen hat mich mit funktionaler Tiefe auch sehr beindruckt. Wichtig ist zudem: Wir haben eine breite Kundenbasis, die unsere hervorragende Stellung in verschiedenen Geschäftsfeldern belegt. Unsere etablierten Produkte bieten schon heute die richtigen Antworten für unserer Kunden in handelsnahen Bereichen, im Treasury, im Portfolio Management und im Vertrieb. Aktuell arbeiten wir an verschiedenen Initiativen, die unsere Stärken noch gezielter bündeln. Mit meinem Blick von außen meine ich aber auch, dass wir noch einiges tun können, um den Namen vwd und die dahinterstehenden Leistungen im Markt präsenter zu machen. Auch möchte ich unsere neuen Lösungen, die aktuelle Herausforderungen unserer Kunden adressieren, schnell auf den Markt bringen. Das sehe ich als meine zentralen Aufgaben.

Welche Ideen und Impulse wollen Sie da einbringen?
Mir geht es vor allem um die Frage: Was nutzt dem Kunden kurz-, mittel- und langfristig? Aus meinen Tätigkeiten in der Beratung und im Kapitalmarktgeschäft kenne ich die Herausforderungen unserer Kunden sehr gut. Da ist zum einen der wachsende Druck von Regulierungsseite, zum anderen die rückläufige Zahl der aktiven Anleger. Kostenoptimierung ist daher ein wichtiges Thema für viele Kunden. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber auch Chance für uns.

Warum ist das eine Chance?
Einerseits können wir mit ausgereiften Markdaten-Applikationen sehr gute Alternativen zu den Angeboten der großen Player am Markt bieten. Anderseits helfen wir, die Geschäftsprozesse der Anbieter von Finanzprodukten und der Vertriebsorganisationen zu optimieren. Diese sind vielfach noch nicht auf dem gewünschten industriellen Standard, der die abschmelzende Profitabilität durch Wettbewerb und Regulierung ausgleicht. Wir verfügen über wesentliche Bausteine und können so gute, sprich leistungsstarke Alternativen zu bestehenden Lösungen entwickeln und teilweise schon heute anbieten.

An welche Bausteine denken Sie?
Zentral ist der Umgang mit Daten in Kombination mit dem Verständnis der Business- und Prozesslogik, sowie Financial-Engineering-Fähigkeiten. Unsere Kunden vertrauen uns im Umgang mit und in der Bereitstellung von Daten. Aber wir können noch viel mehr: Wir veredeln und bieten Lösungen an. So wollen wir Fondsgesellschaften zusätzlich zu unserer Vermarktungsunterstützung in Zukunft auch bei der Auslagerung einzelner Prozessschritte begleiten, beispielsweise der Erstellung von aktuellen und dynamischen Fact Sheets. Außerdem arbeiten wir an Konzepten für Kunden, die nach neuen Beratungslösungen für aktive Anleger suchen. Dazu zählen auch Web basierte Lösungen, die den Zugang zum Selbstentscheider in einer digitalen Finanzwelt erleichtert. Hier sind die EDG-Produkte im Bereich der Bewertung und Klassifizierung von Finanzprodukten sehr nützlich. Damit versuchen wir, die aktuelle sehr große Lücke zwischen Anleger und Anbieter zu überwinden. Das alles sind Bausteine, um unseren Kunden die Fokussierung auf die wesentlichen Funktionen in der Produktion und im Vertrieb zu erleichtern und neue Wege zu öffnen.

Dafür müssen deren Prozesse aber umgestellt werden.
Die Frage für viele Produzenten und Emittenten ist derzeit ja, wie sie ihre Prozesse auf mehr Effizienz ausrichten können. Die Margen sinken – nicht bei allen Produkten gleich, aber der Trend wird sich nicht aufhalten lassen. Gleichzeitig führt höhere Transparenz in den Produkten dazu, dass der Preiswettbewerb stärker wird. Was in Konsequenz bedeutet: Die Produktivität zu steigern rückt in den Vordergrund. Das ist für viele eine große Herausforderung – gerade in komplexeren Organisationen.

Was ist Ihre Lösung?
Ich will es an einem Beispiel zeigen. Nehmen wir Banken. Aus meiner Sicht haben Banken zwei herausragende Erfolgsfaktoren: die Produkte und der Zugang zum Kunden. Der Prozess dazwischen ist notwendiges Beiwerk. Da muss man sich die Frage stellen: Ist es die Kernkompetenz einer Bank, alle Aufgaben in diesem Prozess selbst durchzuführen? Ich glaube nicht. Aber sie kann sich Freiraum schaffen, indem sie mit uns bereits im Produktentwicklungsprozess zusammenarbeitet. Das geschieht durch den Austausch von Daten über einfach zu integrierende Schnittstellen. Auf Basis der Daten können wir dem Emittenten verschiedene Services anbieten, die als fertiges Produkt zurückgeliefert werden: Preis-Qualitäts-Sicherung, Auswertungen und Reports, Risikokennzahlen, Dokumente, Verteilprozesse und After-Sales-Services sind denkbare Lösungs- bzw. Produktangebote. Die Bank konzentriert sich auf die Entwicklung und den Vertrieb.

Bringen Sie neue Produkte auf den Markt?
Wir haben einige Ideen in der Entwicklung, bieten auch aktuell schon neue Lösungen an. Ich bin im Moment dabei, zusammen mit den Produktmanagern, Entwicklern und Vertriebsmitarbeitern alle unsere Produkte im Detail dahingehend zu durchleuchten, welchen Mehrwert wir für Kunden heute schaffen und wo wir noch zulegen können. Fakt ist aber auch: Die Anforderungen an einen Anbieter für Systeme und Daten ändern sich permanent und sehr schnell. Die Trends habe ich genannt: mehr Standardisierung der Prozesse und mehr Selbstentscheidung bei der Finanzanlage. Wir werden in den nächsten Monaten also mit einigen neuen Themen auf den Markt kommen.