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Risiko-Report April 2015:
Zertifikatemarkt wieder in Bewegung

  • Nachdem das erste Quartal 2015 von einer signifikanten Reduzierung der Risiken und zuletzt sehr stabilen Verhältnissen geprägt war, steht der April im Zeichen augenfälliger, teilweise gegenläufiger Bewegungen auf dem Zertifikatemarkt. An der Grundsituation ändert sich dadurch jedoch nur wenig.
  • Ein deutlicher Anteilsverlust der Risikoklasse 1 wird durch einen nahezu gleich großen Anteilszuwachs der Risikoklasse 2 weitestgehend kompensiert, während sich die Zuflüsse in den Risikoklassen 3 und 4 in engen Grenzen halten.
  • Zu erkennbaren Verschiebungen kommt es im gleichen Zeitraum auch bei den in der EDG Risikomatrix abgebildeten Basiswerten. Dabei gestaltet sich das Bild ebenfalls nicht einheitlich. Sowohl zwischen als auch innerhalb der Assetklassen sind unterschiedliche Tendenzen auszumachen.

    Wie die Ergebnisse der Auswertung der Verteilung des ausstehenden Zertifikatevolumens über die Risikoklassen des DDV für den April 2015 zeigen, schlägt die gestiegene Volatilität im Markt auf die Risikostruktur der Zertifikateanlagen durch. Hatten im Februar ungewöhnlich hohe Rückflüsse insbesondere aus der Risikoklasse 2 zu einem sprunghaften Anstieg des Volumenanteils der Risikoklasse 1 geführt, der im März behauptet werden konnte, so hat sich diese Entwicklung im April umgekehrt.

    Verteilung des investierten Volumens
    Abbildung 1: Verteilung des investierten Volumens aller strukturierten Anlageprodukte über die Risikoklassen (Stand 04.05.2015)

    Papiere für sicherheitsorientierte Anleger verlieren 5,2 % ihres bisherigen Marktanteils (aktueller Anteil der RK 1: 74,0 %), während der Marktanteil von Papieren für begrenzt risikobereite Anleger (RK 2) von 15,8 % auf aktuell 20,5 % anwächst. Damit vereinen die beiden niedrigen Risikoklassen weiterhin nahezu 95,0 % des Gesamtmarktes auf sich. Nur geringfügig fallen demgegenüber die Zuwächse in den Risikoklassen 3 (Papiere für risikobereite Anleger) und 4 (Papiere für vermehrt risikobereite Anleger) aus. Während die Risikoklasse 3 um 0,4 Prozentpunkte auf 4,4 % zulegt, erhöht die Risikoklasse 4 ihren Anteil lediglich um 0,2 Prozentpunkte auf nunmehr 0,8 %. Gleichzeitig verliert die höchste Risikoklasse (Papiere für spekulative Anleger) noch einmal 0,1 Prozentpunkte und sinkt auf 0,3 % Volumenanteile ab.

     

     

    EDG Risikomatrix

    Die EDG Risikomatrix stellt das Risiko ausgewählter Basiswerte aus verschiedenen Assetklassen dar.

    Risikomatrix
    Abbildung 2: EDG Risikomatrix (Stand 04.05.2015)

    Die EDG Risikomatrix bildet jeden Monat beispielhaft Wertpapiere aus verschiedenen Assetklassen gemäß ihrem Risiko ab. Zeichnet man die Entwicklung der Basiswerte seit Jahresbeginn in groben Zügen nach, so entsteht ein Bild sich ablösender, leichter Auf und Abwärtsbewegungen. Auf den partiellen Anstieg der Risiken im Januar folgte im Februar eine Phase der Marktberuhigung mit einem leichten allgemeinen Risikorückgang. Diese setzte sich im März im Wesentlichen fort, wobei jedoch vereinzelt, so z.B. beim DAX und bei Silber sowie beim S&P GSCI, wieder ein leichter Risikoanstieg zu beobachten war. Während der Risikoanstieg beim DAX und S&P GSCI im April andauert, ist bei Silber ein deutlicher Rückgang des Risikos festzustellen. Insgesamt gestaltet sich die aktuelle Situation sowohl bei Aktien und -indizes als auch bei Rohstoffen eher uneinheitlich. Deutlich stabiler und risikoärmer als Rohstoffe oder Aktien und -indizes zeigen sich ein weiteres Mal die Zinsprodukte, so dass der spezifische Risikocharakter der unterschiedlichen Assetklassen unverändert deutlich zum Tragen kommt.

    Aktieninvestments
    lassen im April durchaus gegenläufige Tendenzen erkennen. Während einzelne Werte wie z.B. die Deutsche Telekom oder Fresenius im Risiko leicht ansteigen, zeigen sich die allermeisten Papiere äußerst stabil. Dabei lassen sich nach wie vor keine systematischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Sparten, ob nun Industrie-, Chemie-, Automobil-, Versicherungs- oder sonstige Werte, resp. zwischen unterschiedlichen Kurshistorien, d.h. zwischen traditionell risikoarmen und traditionell eher risikoreicheren Papieren ausmachen. Wie schon in den Vormonaten, findet man in der höchsten Risikoklasse 5 lediglich vereinzelte Nebenwerte, während klassische DAX-Titel größtenteils einer vergleichsweise niedrigen Risikoklasse zugeordnet bleiben. Der Index selbst hat im Risiko noch einmal leicht angezogen und bewegt sich wieder auf die Grenze zur „angestammten“ Risikoklasse 3 zu. Dem steht andererseits ein leichter Rückgang des Risikos beim EURO STOXX 50 gegenüber. Auch wenn dieser überschaubar ist, reicht er doch aus, um einen Wechsel des EURO STOXX 50 aus Risikoklasse 3 in Risikoklasse 2 zu bewirken.

    Rohstoffinvestments
    weisen ein ähnliches Risikoprofil wie Aktien und -indizes auf und zeichnen wie diese im April kein einheitliches Bild. Während der breit gefächerte Rohstoffindex S&P GSCI, der als einziger Wert dieser Kategorie in Risikoklasse 2 rangiert, im Risiko ansteigt, reduziert sich das Risiko bei Gold und Silber spürbar. Im Falle von Silber führt dies sogar zu einem Wechsel aus Risikoklasse 4 in Risikoklasse 3; bei Gold kommt es lediglich zu einer Annäherung an die Grenze zur Risikoklasse 2. Ein Investment in Rohstoffe kommt also, sieht man einmal von dem Index S&P GSCI ab, für Anleger, die nur ein begrenztes Risiko einzugehen bereit sind (d.h. Produkte der Risikoklasse 2 nachfragen), weiterhin nicht in Betracht.

    Rentenanlagen
    ergeben nach wie vor das einheitlichste Bild aller Assetklassen. Daran hat sich auch im April nichts geändert. Sowohl lang- und kurzlaufende europäische Unternehmensanleihen, repräsentiert durch den iBoxx Euro Corporates 7-10 bzw. iBoxx Euro Corporates 1-3, als auch langlaufende europäische Staatsanleihen, repräsentiert durch den iBoxx Euro Eurozone Sovereigns 7-10, behaupten ihre Position und eignen sich als Investment für sicherheitsorientierte Anleger.

    Vergleich Aktienbasiswert- und Zertifikaterisiko

    Zertifikate auf Aktien unterscheiden sich in ihrem Risiko teilweise deutlich von den ihnen zugrundeliegenden Basiswerten. Aus diesem Grunde eignen sie sich unter anderem zur Risikoreduzierung einer Anlage. Dass Investoren sie tatsächlich gezielt für eine solche Strategie nutzen, zeigt die nachfolgende Abbildung. In ihr wird die volumengewichtete Verteilung der Aktienbasiswerte über die Risikoklassen zur Verteilung der an diese Aktien gekoppelten Zertifikate ins Verhältnis gesetzt.

    Vergleich des investierten Volumens
    Abbildung 3: Vergleich des investierten Volumens von Zertifikaten auf Aktien zu ihren Basiswerten (Stand 04.05.2015)

    Die ausgeprägte Stabilität des Aktienmarktes im ersten Quartal 2015 und die damit einhergehende Reduktion der Risiken, besonders augenfällig im Wechsel des EURO STOXX 50 aus Risikoklasse 3 in Risikoklasse 2, führen im April 2015 zu einer Rückkehr des bereits im Sommer und Herbst des vergangenen Jahres zu beobachtenden eher untypischen Verteilungsmusters bei der Risikoeinstufung der Basiswerte von Aktienzertifikaten. Entfallen im langjährigen Durchschnitt rund zwei Drittel der Basiswerte auf die Risikoklasse 3 (mit einer Schwankungsbreite zwischen 60 % und 80 %), so reduziert sich dieser Wert innerhalb eines Monats um mehr als 30 Prozentpunkte (genau 30,1) von 75,2 % auf 45,1 %, während umgekehrt die Risikoklasse 2, die üblicherweise zwischen 1% und 5% der Basiswerte umfasst, wie schon im Juni 2014 ebenfalls binnen Monatsfrist in etwa der gleichen Größenordnung (genau 30,4 Prozentpunkte) sprunghaft anwächst. Mit einem aktuellen Volumenanteil von 48,9 % übertrifft sie erneut den Marktanteil der Risikoklasse 3. Verantwortlich hierfür ist im Wesentlichen der oben beschriebene Wechsel des EURO STOXX 50, auf den mehr als 30 % des Marktvolumens entfallen, aus Risikoklasse 3 in Risikoklasse 2.

    Geändert hat sich auch das Verteilungsmuster bei den Aktienzertifikaten. Anders als in den beiden Vormonaten sind die Volumenanteile der Risikoklassen 1 und 2, bedingt durch beachtliche Abflüsse aus der Risikoklasse 1 in die Risikoklasse 2, in etwa gleich groß. Deutlich geringer fallen derweil die Zugewinne der Risikoklassen 3, 4 und 5 aus.

    Unberührt davon bleibt der Tatbestand, dass nach wie vor nahezu neun Zehntel (genau 88,1 %, und damit nur 2,4 % weniger als im Vormonat) des Marktvolumens in Zertifikaten angelegt sind, die das Basiswertrisiko reduzieren Diese Papiere ermöglichen es sicherheitsorientierten Anlegern (potenzielle Nachfrager für Produkte der Risikoklasse 1) sowie begrenzt risikobereiten Anlegern (potenzielle Nachfrager für Produkte der Risikoklasse 2), entsprechend ihrer Risikoneigung an Aktienkursentwicklungen zu partizipieren. Aufgrund ihrer begrenzten Risikobereitschaft meiden diese Anlegergruppen in der Regel ein Direktinvestment in Aktien oder Indizes, die - über Monatsfrist hinaus betrachtet - überwiegend in die Risikoklassen 3 und 4 fallen und damit ein „unpassendes“ Risikoprofil aufweisen.

    Insgesamt gesehen gestaltet sich die Verteilung der Volumenanteile über die Risikoklassen bei Aktienprodukten allerdings nach wie vor deutlich gleichmäßiger als auf dem Gesamtmarkt.

    Dass der relativ größte Teil des Volumens von Aktienzertifikaten (48,9 %), wie schon im Sommer und Herbst 2014, auf Basiswerte entfällt, die aktuell in die Risikoklasse 2 eingestuft werden, während üblicherweise Basiswerte der Risikoklasse 3 dominieren, verringert zwar erneut den „Risikoabstand“ zwischen strukturierten Produkten und ihren Basiswerten, hebt ihn aber keineswegs auf. Und so gilt unverändert, dass die erwähnte Risikoreduktion im Vergleich zu einem Direktinvestment beim Zertifikate-Investment eindeutig im Vordergrund der Anlageentscheidung steht.

    Zusammenfassung

    Trotz des recht deutlichen Anteilsverlustes der Risikoklasse 1 sowie leichter Zuwächse der Risikoklassen 3 und 4 ist das Risikoniveau auf dem Zertifikatemarkt insgesamt weiterhin als sehr niedrig zu beurteilen. Aufgrund gleichzeitiger Zuflüsse in beachtlicher Höhe in die Risikoklasse 2 vereinen die beiden risikoreduzierenden Klassen noch immer nahezu 95 % des gesamten Anlagevolumens auf sich. Obwohl also im April einige Bewegungen auf dem Zertifikatemarkt stattgefunden haben, kann die Gesamtsituation nach wie vor als stabil bezeichnet werden. Ursächlich für die skizzierten Bewegungen ist die gestiegene Volatilität im Markt.

    Diese spiegelt sich auch in der Entwicklung der Basiswerte wider. Mit Ausnahme der Zinsprodukte weisen alle Marktsegmente leicht gegenläufige Tendenzen, d.h. sowohl Risikoanstiege als auch Risikoreduktionen, auf, wobei sich die Verschiebungen zumeist in engen Grenzen halten.

    Betrachtet man die Ergebnisse für den gesamten Zertifikatemarkt sowie die Ergebnisse der vergleichenden Analyse von Produkten auf Aktien mit ihren Basiswerten in der Gesamtschau, so zeigt sich ein weiteres Mal eindrucksvoll, in welch hohem Maße und mit welcher Konstanz Zertifikateanleger auf risikoarme Papiere setzen, um das Risiko eines Direktinvestments gezielt zu reduzieren.

    Erläuterungen

    DDV Risikoklassen
    Abbildung 4: Übersetzung der VaR-Ergebnisse in die DDV Risikoklassen

    Value at Risk als Basis der Risikoklassifizierung von Anlageprodukten
    Das Konzept des Value at Risk (VaR) ist einfach: Der VaR gibt den Verlustbetrag an, der mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit bei einer vorgegebenen Haltedauer nicht überschritten wird. Als Parameter haben sich eine 10-tägige Haltedauer und ein 99 %iges Konfidenzniveau bei einem Anlagebetrag von 10.000 EUR durchgesetzt. Ein so berechneter VaR von 150 EUR bedeutet, dass der Verlust des Zertifikats mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % in 10 Tagen nicht höher als 150 EUR ausfallen wird.

    Übersetzung der VaR-Ergebnisse in die DDV Risikoklassen
    Zum Zwecke der Reduzierung von Komplexität werden hier die Ergebnisse des VaR in 5 Risikoklassen übersetzt. Jeder Anleger kann anhand der Benchmark-Investments rasch und ohne großen Aufwand herausfinden, welche  Risikoklasse für ihn am besten geeignet ist.

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    Der vorliegende Report wurde von uns nach bestem Wissen und mit größtmöglicher Sorgfalt recherchiert und erstellt. Er basiert auf Informationen und Daten, von deren Richtigkeit wir ausgehen. Wir garantieren diese jedoch nicht. Eine Haftung für Konsequenzen jedweder Art, die sich aus Handlungen und Transaktionen auf der Basis dieser Erhebung ergeben, ist ausgeschlossen. EDG AG 2015. Alle Rechte vorbehalten.