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Risiko-Report März 2015:
Zertifikaterisiken nahezu unverändert

  • Nachdem im Januar 2015 der ausgangs 2014 zu beobachtende Risikoanstieg zum Erliegen gekommen war und die Zertifikaterisiken sich im Februar weiter deutlich verringerten, zeigt sich der Zertifikatemarkt im März von einer außerordentlichen Stabilität.
  • Leichte Verschiebungen aus der Risikoklasse 3 lassen den Volumenanteil der beiden niedrigsten Risikoklassen noch einmal geringfügig anwachsen.
  • Ebenfalls sehr stabil verhalten sich im gleichen Zeitraum die in der EDG Risikomatrix abgebildeten Basiswerte. Über alle Assetklassen hinweg sind hier erneut nur minimale Veränderungen zu beobachten.

Hatten im Februar ungewöhnlich hohe Rückflüsse insbesondere aus der Risikoklasse 2, in geringerem Umfang aber auch aus den Klassen 3 und 4, zu einem sprunghaften Anstieg des Volumenanteils der Risikoklasse 1 geführt, so wird diese Entwicklung durch die Ergebnisse der Auswertung der Verteilung des ausstehenden Zertifikatevolumens über die Risikoklassen des DDV für den März 2015 bestätigt.

Verteilung des investierten Volumens
Abbildung 1: Verteilung des investierten Volumens aller strukturierten Anlageprodukte über die Risikoklassen (Stand 30.03.2015)

Papiere für sicherheitsorientierte Anleger legen noch einmal um 0,1 % auf nunmehr 79,2 % zu und kommen damit den Spitzenwerten aus dem ersten Halbjahr 2014 sehr nahe. Da auch die benachbarte Risikoklasse 2 (Papiere für begrenzt risikobereite Anleger) um 0,2 % wächst, vereinen die beiden niedrigen Risikoklassen nunmehr exakt 95,0 % des Gesamtmarktes auf sich. Übertroffen wurde dieser Wert bisher nur ein einziges Mal und zwar im Juni 2014 mit 95,3 %. Währenddessen verringern sich die Anteile der Risikoklassen 3 (Papiere für risikobereite Anleger) und 4 (Papiere für vermehrt risikobereite Anleger) um 0,3 resp. 0,1 Prozentpunkte auf aktuell 4,0 % resp. 0,6 %. Gleichzeitig verharrt der Anteil der höchsten Risikoklasse unverändert bei 0,4 %.

 

 

EDG Risikomatrix

Die EDG Risikomatrix stellt das Risiko ausgewählter Basiswerte aus verschiedenen Assetklassen dar.

Risikomatrix
Abbildung 2: EDG Risikomatrix (Stand 30.03.2015)

Die EDG Risikomatrix bildet jeden Monat beispielhaft Wertpapiere aus verschiedenen Assetklassen gemäß ihrem Risiko ab. Nachdem sich die Risikoprofile der Basiswerte über viele Monate hinweg als außerordentlich stabil erwiesen hatten, waren im Januar 2015 erstmals wieder einige bemerkenswerte Veränderungen zu registrieren. Zwar blieb der Großteil der Wertpapiere infolge der außergewöhnlichen Marktstabilität der vorausgegangenen Quartale vergleichsweise niedrig eingestuft, bei einzelnen Aktien und dem EURO STOXX 50 sowie einzelnen Rohstoffen aber hatte sich das Risiko sichtbar erhöht. Diese Entwicklung hatte sich im Februar nicht fortgesetzt. Vielmehr hatten sich die Marktverhältnisse wieder beruhigt, wobei sogar ein leichter allgemeiner Risikorückgang festzustellen war. An dieser stabilen Situation hat sich im März nichts Grundlegendes geändert, wenn auch vereinzelt, so z.B. beim DAX und bei Silber sowie beim S&P GSCI, wieder ein leichter Risikoanstieg zu vermelden ist. Deutlich risikoärmer und -stabiler als Rohstoffe oder Aktien und -indizes zeigen sich ein weiteres Mal die Zinsprodukte, so dass der spezifische Risikocharakter der unterschiedlichen Assetklassen unverändert deutlich zum Tragen kommt.

Aktieninvestments werden im März insgesamt ähnlich eingestuft wie im Februar; vereinzelt weisen sie allerdings ein leicht gestiegenes Risiko auf. Dabei lassen sich nach wie vor keine systematischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Sparten, ob nun Industrie-, Chemie-, Automobil-, Versicherungs- oder sonstige Werte, resp. zwischen unterschiedlichen Kurshistorien, d.h. zwischen traditionell risikoarmen und traditionell eher risikoreicheren Papieren ausmachen. Wie schon in den Vormonaten, findet man in der höchsten Risikoklasse 5 lediglich vereinzelte Nebenwerte, während klassische DAX-Titel größtenteils einer vergleichsweise niedrigen Risikoklasse zugeordnet bleiben. Der Index selbst, dessen Mitglieder ganz überwiegend in die Risikoklassen 3 und 4 fallen, hat im Risiko leicht angezogen, bestätigt aber erneut seine Einstufung in Risikoklasse 2 und bewegt er sich damit weiterhin unterhalb seines langjährigen Durchschnitts.

Rohstoffinvestments weisen ein ähnliches Risikoprofil wie Aktien und -indizes auf. Auch in dieser Kategorie tendieren einzelne Werte und Indizes im März zu einer leichten Risikoerhöhung, wobei sich der Anstieg in sehr engen Grenzen hält. Mit Ausnahme des breit gefächerten Rohstoffindex S&P GSCI rangieren mittlerweile nahezu alle erfassten Rohstoffwerte in Risikoklasse 3. Eine weitere Ausnahme bildet Silber, das sich bereits im Februar wieder der Risikoklasse 4 angenähert hatte, um nun im März in diese Klasse zurückzukehren. Für Anleger, die nur ein begrenztes Risiko einzugehen bereit sind (d.h. Produkte der Risikoklasse 2 nachfragen), kommen Papiere dieser Assetklasse damit nicht in Betracht.

Rentenanlagen ergeben nach wie vor das einheitlichste Bild aller Assetklassen. Daran hat sich auch im ersten Quartal des Jahres 2015 nichts geändert. Sowohl lang- und kurzlaufende europäische Unternehmensanleihen, repräsentiert durch den iBoxx Euro Corporates 7-10 bzw. iBoxx Euro Corporates 1-3, als auch langlaufende europäische Staatsanleihen, repräsentiert durch den iBoxx Euro Eurozone Sovereigns 7-10, haben ihre Position gefestigt und eignen sich als Investment für sicherheitsorientierte Anleger.

Vergleich Aktienbasiswert- und Zertifikaterisiko

Zertifikate auf Aktien unterscheiden sich in ihrem Risiko teilweise deutlich von den ihnen zugrundeliegenden Basiswerten. Aus diesem Grunde eignen sie sich unter anderem zur Risikoreduzierung einer Anlage. Dass Investoren sie tatsächlich gezielt für eine solche Strategie nutzen, zeigt die nachfolgende Abbildung. In ihr wird die volumengewichtete Verteilung der Aktienbasiswerte über die Risikoklassen zur Verteilung der an diese Aktien gekoppelten Zertifikate ins Verhältnis gesetzt.

Vergleich des investierten Volumens
Abbildung 3: Vergleich des investierten Volumens von Zertifikaten auf Aktien zu ihren Basiswerten (Stand 30.03.2015)

War es bei den Basiswerten von Aktienzertifikaten im Laufe des Jahres 2014 immer wieder zu beachtlichen Verschiebungen zwischen den Risikoklassen gekommen, so kehrte im Februar 2015 auf diesem Teilmarkt erstmals wieder Ruhe ein. Bis auf die Nachkommastelle stimmten die Februar-Zahlen in den Risikoklassen 2 und 3 mit den Januar-Zahlen überein. Lediglich in den Risikoklassen 4 und 5 wichen die Anteile um jeweils 0,1 %, also nur geringfügig, von den Ausgangswerten ab. Nachdem der EURO STOXX 50 in die Risikoklasse 3 zurückgekehrt war, stellte diese Klasse mit 74,6 % wieder den weitaus größten Teil des Gesamtmarktes und übertraf damit sogar deutlich den langjährigen Durchschnitt von rund zwei Dritteln. Gleichzeitig lag der Volumenanteil der in die Risikoklasse 2 eingestuften Basiswerte mit 18,5 % über und der Volumenanteil der in die Risikoklasse 4 eingestuften Basiswerte mit 6,5 % unter den Vergleichswerten der Vergangenheit. An dieser Konstellation hat sich auch im März nichts geändert. Zum dritten Mal nacheinander entfallen auf die Risikoklasse 2 exakt 18,5 % des gesamten Marktvolumens. Auch die Verschiebungen in den nachfolgenden Risikoklassen bewegen sich in engen Bahnen. So umfasst die Risikoklasse 3 im März 75,2 % des Gesamtmarktes (+0,6 %), während die Risikoklasse 4 in etwa gleich großem Umfang auf 5,9 % (-0,5 %) abschmilzt. Mit aktuell 0,4 % verzeichnet die Risikoklasse 5 einen Abfluss in Höhe von 0,1 %. In der Summe kann hier also von einer außerordentlich stabilen Situation gesprochen werden.

Diese Stabilität zeigt sich im März nun auch bei den Aktienzertifikaten. Anders als noch im Februar, der von weitreichenden Korrekturen und der Rückkehr zu „klassischen“ Größenordnungen gekennzeichnet war, weist das Verteilungsmuster im März gegenüber dem Vormonat nur noch begrenzte Veränderungen auf. Mit aktuell 53,3 % des Gesamtmarktes verzeichnet die Risikoklasse 1 einen Zuwachs von 1,7 %, während die Risikoklasse 2 einen Rückgang um 0,7 % auf 37,2 % erfährt. In der Summe ist der Volumenanteil der Papiere, die das Basiswertrisiko reduzieren (Papiere der RK 1 und 2), damit noch einmal um 1 % auf nunmehr 90,5 % angewachsen. Somit erhöht sich der Anteil von sicherheitsorientierten Anlegern (potenzielle Nachfrager für Produkte der Risikoklasse 1) sowie begrenzt risikobereiten Anlegern (potenzielle Nachfrager für Produkte der Risikoklasse 2), die an der Aktienentwicklung partizipieren. Ein Direktinvestment in Aktien oder Indizes kommt für diese Marktteilnehmer in der Regel nicht in Frage. Erst Aktienzertifikate, die auf unterschiedliche Anleger- resp. Risikoprofile zugeschnitten werden können, ermöglichen es diesen Anlegergruppen, entsprechend ihrer Risikoneigung an Aktienkursentwicklungen teilzuhaben.

Insgesamt gestaltet sich die Verteilung der Volumenanteile über die Risikoklassen bei Aktienprodukten weiterhin deutlich gleichmäßiger als bei der Gesamtheit aller Produkttypen. Noch einmal leicht korrigiert hat sich im März die durch den Klassenwechsel der marktbestimmenden Indizes bedingte zeitweilige Verringerung des „Risikoabstandes“ zwischen strukturierten Produkten und ihren Basiswerten. Ganz offensichtlich und klarer denn je werden die Anlageentscheidungen der weit überwiegenden Mehrheit der Zertifikateinvestoren vom Bestreben bestimmt, das Risiko im Vergleich zu einem Direktinvestment zu reduzieren. Dafür liefern auch die März-Zahlen einen weiteren Beweis.

Zusammenfassung

Der im Februar zu beobachtende deutliche Rückgang der Risiken auf dem Zertifikatemarkt spiegelt sich in den März-Werten wider. Mit aktuell 79,2 % hat die niedrigste Risikoklasse ihren Volumenanteil noch einmal geringfügig ausgebaut und vereint damit nahezu vier Fünftel des Gesamtmarktes auf sich. Rechnet man den um 0,2 % angewachsenen Anteil der Risikoklasse 2 (aktuell 15,8 %) hinzu, so umfassen die beiden niedrigen Risikoklassen zusammen derzeit 95,0 % des gesamten Anlagevolumens in Deutschland. Damit erreichen sie eine Größenordnung, wie sie zuletzt im Juni 2014 mit dem Ausnahmewert von 95,3 % gemessen wurde. Als Hauptfaktoren für diese Entwicklung sind, wie schon im Vormonat, die stabilen Marktverhältnisse mit geringen Volatilitäten und historisch niedrigen Zertifikaterisiken zu nennen.

Sowohl die Ergebnisse für den gesamten Zertifikatemarkt als auch die Ergebnisse der vergleichenden Analyse von Produkten auf Aktien mit ihren Basiswerten belegen ein weiteres Mal eindrucksvoll, in welch hohem Maße und mit welcher Konstanz Zertifikateanleger auf risikoarme Papiere setzen, um das Risiko eines Direktinvestments gezielt zu reduzieren.

Was die Entwicklung der Basiswertrisiken anbelangt, so kann hier ebenfalls nur von geringfügigen Veränderungen berichtet werden. Über alle Assetklassen hinweg zeigen sich die Einstufungen außerordentlich stabil. Lediglich bei Einzelwerten, sowohl im Bereich der Aktien und -indizes als auch bei den Rohstoffen, zeigt sich eine leichte Tendenz zur Risikoerhöhung.

Erläuterungen

DDV Risikoklassen
Abbildung 4: Übersetzung der VaR-Ergebnisse in die DDV Risikoklassen

Value at Risk als Basis der Risikoklassifizierung von Anlageprodukten
Das Konzept des Value at Risk (VaR) ist einfach: Der VaR gibt den Verlustbetrag an, der mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit bei einer vorgegebenen Haltedauer nicht überschritten wird. Als Parameter haben sich eine 10-tägige Haltedauer und ein 99 %iges Konfidenzniveau bei einem Anlagebetrag von 10.000 EUR durchgesetzt. Ein so berechneter VaR von 150 EUR bedeutet, dass der Verlust des Zertifikats mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % in 10 Tagen nicht höher als 150 EUR ausfallen wird.

Übersetzung der VaR-Ergebnisse in die DDV Risikoklassen
Zum Zwecke der Reduzierung von Komplexität werden hier die Ergebnisse des VaR in 5 Risikoklassen übersetzt. Jeder Anleger kann anhand der Benchmark-Investments rasch und ohne großen Aufwand herausfinden, welche  Risikoklasse für ihn am besten geeignet ist.

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Der vorliegende Report wurde von uns nach bestem Wissen und mit größtmöglicher Sorgfalt recherchiert und erstellt. Er basiert auf Informationen und Daten, von deren Richtigkeit wir ausgehen. Wir garantieren diese jedoch nicht. Eine Haftung für Konsequenzen jedweder Art, die sich aus Handlungen und Transaktionen auf der Basis dieser Erhebung ergeben, ist ausgeschlossen. EDG AG 2015. Alle Rechte vorbehalten.