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Positive Entwicklung bei Fonds

Ein Kommentar von Florian M. Roebbeling, Akademischer Leiter und Geschäftsführer der €uro Akademie

96 Milliarden Euro sind nach Abzug der Abflüsse in den ersten fünf Monaten des Jahres in Fonds geflossen (lt. Pressemeldung vom BVI am 08.07.2015) und zwar die Netto-Mittelzuflüsse allein in Deutschland. Der größte Teil davon, 60 Milliarden, geht auf das Konto von Spezial-Fonds, die von institutionellen Anlegern wie Pensionskassen und Versicherern genutzt werden. Aber auch das Volumen in Publikumsfonds für Privatanleger stieg um satte 38,5 Milliarden Euro. Davon fallen wiederum 5,5 Milliarden Euro auf ETFs, die zunehmend auch von Selbstentscheidern und Honorarberatern gerne genutzt werden. Die übrigen 33 Milliarden Euro flossen in aktiv gemanagte Fonds, etwas über 50 % in Mischfonds, rund 20 % in Rentenfonds und immer noch knapp 17 % in reine Aktienfonds. 

Eine mehr als positive Entwicklung, wie festgestellt werden darf.
Natürlich herrscht bei Null-Zins ein gewisser Anlagedruck. Außerdem haben sich die Märkte, trotz Griechenland und neuerdings auch China,  gut entwickelt.  Das hilft zwar, aber wie gut die Performance des Fondsvertriebs – trotz aller regulatorischen Gegebenheiten – wirklich ist, erkennt man beim Vergleich mit anderen
Instrumenten.

Vergleich mit anderen Instrumenten
Die Zahl der (direkten) Aktionäre sinkt stetig, und das  trotz gut laufender Märkte. Die Zertifikate-Industrie hat von Januar bis Ende Mai rund 4,5 Milliarden Euro an Volumen verloren. Der Derivate-Branche tut das im Moment nicht ganz so weh, da sie bei den trading-orientierten Produkten im Handel mit dem Selbstentscheider wächst und die Emittenten mit einem entsprechenden Angebot genau damit Geld verdienen. Für Anlageprodukte und das Beratungsgeschäft sieht es hingegen schlecht aus.  

Bereitschaft,  in Fonds zu investieren ist vorhanden - Frage nach dem richtigen Produkt rückt wieder mehr in den Fokus.
Es scheint also, als hätte die Fondsbranche mit ihren unterschiedlichen Vertriebswegen einiges richtig gemacht. Der Anleger vertraut dem Konstrukt des Sondervermögens und die Berater haben sich mit den regulatorischen Anforderungen arrangiert. Während also die grundsätzliche Bereitschaft der Anleger, in Fonds zu investieren vorhanden ist, rückt die Frage nach dem richtigen Produkt wieder mehr in den Fokus. Derzeit wählt eine deutliche Mehrheit der Privatinvestoren noch die universellen Alleskönner: Mischfonds. Sie sind in der Anlageberatung beim risikoaversen, deutschen Prototyp-Anleger genau jenes Universalwerkzeug, das von langfristigem Vermögenserhalt bis hin zu Vermögensaufbau nahezu jedes Anwendungsgebiet abdeckt. Aber immer mehr Anleger, und auch das ist ein deutlich erkennbarer Trend, setzen sich intensiver mit ihren Produkten auseinander. Nicht nur mit der Gebührenstruktur, sondern auch mit dem Produkt an sich. Sie informieren sich an den unterschiedlichsten Stellen über die Vor- und Nachteile bestimmter Produktspezialitäten und versuchen, entweder in Eigenregie oder in Absprache mit dem Berater, das Beste für sich herauszuholen.

Kundengespräche, zumindest teilweise, werden inhaltlich eine neue Qualitätsstufe erreichen.
Das ist eine relativ neue Entwicklung, aber sie wird nicht aufhören. Im Gegenteil: Eine steigende Anzahl der insbesondere vermögenderen Privatanleger wird sich tiefer mit Finanzprodukten auseinandersetzen, um zu verstehen, in was sie investieren, und wie sie das tun. Folglich werden Kundengespräche, zumindest teilweise, inhaltlich eine neue Qualitätsstufe erreichen. Hier werden jene Berater scheitern, die argumentativ versuchen, ihren Kunden immer wieder in den „kann-alles-und-ist-für-jeden-Kunden-das-Richtige“-Mischfonds zu schieben. Im Gegensatz dazu, werden Berater, die auf die Wünsche und Meinungen des Kunden eingehen und ihn in seiner Lernkurve bezüglich Kapitalanlagen begleiten, große Erfolge erzielen.

Welche Fonds stehen bei Anlegern im Fokus?
Wie Sie auch in dem Beitrag „Neue Auswertungsmöglichkeiten im vwd funds service [online]“  lesen können,  bietet die vwd group Möglichkeiten, mit denen Fondsgesellschaften auswerten können, welche Fonds bei diesen „besser Informierten“ Anlegern gerade im Fokus des Interesses stehen. Ein nützliches Angebot, nicht nur für die KVGs sondern auch für die Vertriebseinheiten. Sie können damit ihre Standard-Angebotspalette dem tatsächlichen Interesse der Kunden anpassen und sind außerdem vorbereitet, wenn ein Kunde mal mit einem spezielleren Wunsch als dem vermeintlich alleskönnenden Mischfonds auf den Berater zukommt.       

Florian M. Roebbeling ist Akademischer Leiter und Geschäftsführer der €uro Akademie:
„Der Berater kann dem Kundenwunsch nach immer mehr und immer detaillierterem Wissen, nur bedingt nachkommen. Um diesen Kunden ein hochwertiges Angebot machen zu können, ist vor einigen Monaten die €uro Akademie ins Leben gerufen worden. Wissenstransfer, und zwar ohne Berater-Bashing und ohne die sonst übliche „geh-sofort-zum-eBroker-und-handele-nur-noch-ETFs“-Attitüde. Vielmehr ist es eine Entlastung für die Berater, die dem Kunden dann  beispielsweise nicht mehr die Funktionsweisen der verschiedenen Fonds oder weitere Grundlagen erklären müssen. Sie können die Zeit vielmehr dazu nutzen, um sich detailliert um Kundenwünsche zu kümmern und auf Produktspezifika einzugehen. Entsprechend hat die €uro Akademie auch Angebote für Berater, die ihre Kunden auf diesem Weg unterstützen wollen.“

Kontakt: roebbeling@euro-akademie.net