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Aktuelle Neuigkeiten

Wie haben die Fintechs und Robo-Advisors die Finanzbranche verändert?

Vollkommen reine Online-Vermögenmanager, auch als Robo-Advisors bezeichnet, waren 2014 ein großer Trend. Auch vwd hat bereits 2015 ein Online-B2B-Selbstberatungstool entwickelt. Wie digital ist die Vermögensverwaltung heute, vier Jahre später? Wohin entwickelt sich die Branche? Gespräch mit Torsten Reischmann, Leiter Produktmanagement für die Private Wealth Suite bei vwd.

Das Interview mit Torsten Reischmann, Leiter Produktmanagement "Private Wealth Suite" bei vwd, erschien am 18.05.2018 in der "Publikation Private Banker".

Herr Reischmann, provokante Frage vorweg: Können etablierte Kundenberater heute einpacken?

Nein. Persönlicher Kontakt wird immer seinen Platz in der Anlageberatung und Kundenbetreuung haben. Gerade bei komplizierten Entscheidungen sind viele Kunden mehr als froh, neben dem automatisch errechneten Vorschlag auch auf den Rat eines Profis aus Fleisch und Blut zurückgreifen zu können. Daher gehört hybriden Konzepten, die beides integrieren können, die Zukunft in der Finanzbranche.

Was hat sich seit 2014 verändert? Wo steht die Branche heute?

Die Digitalisierung und Regulierung sind nach wie vor die großen Herausforderungen für die Branche.

Der erste große Schritt zum Jahreswechsel mit der  MiFID II Umsetzung ist zwar getan, aber es gibt noch viele weniger vorgezeichnete Nachschärfungsschritte zu tun, um den großen Anforderungen gerecht zu werden. Denn aktuell sind zahlreiche als Übergangslösung geschaffene aufwändige Prozesse, die einen hohe Personalaufwand mit sich bringen, im Einsatz. Ein Ende der Regulierungsflut ist außerdem nicht absehbar und die Änderungen der bestehenden Regulierung müssen auch kontinuierlich vorgenommen werden.

Was die Digitalisierung betrifft, sind insbesondere interne Automatisierung und Optimierung von Prozessen im Kontext einer Standardisierung im Sinne von Industrialisierung sowie der Aufbau eines digitalen Endkundenkanals zentral. Den gestiegenen Anforderungen insbesondere von Kunden der nächsten Generation muss die Branche gerecht werden. Hinzu kommt der Druck von außen. Konkurrenz durch neue Marktteilnehmer, insbesondere FinTechs, muss entsprechend begegnet werden.

Wie ist das zu bewältigen?

Die Chancen liegen in der Entwicklung von Prozessen, die in der Struktur eher standardisiert sind, in der Ausgestaltung aber die Individualität von Endkundensegmenten und auch Endkunden abbilden können sowie die Konzentration auf Kernkompetenz zur Ressourcenfokussierung.

Dabei ist es wichtig die beiden Bereiche, dieinterne Prozessdigitalisierung und die Digitalisierung des Endkundenkanals, in einer gemeinsamen Ausbauplanung zu betrachten. Denn sie sind stark voneinander abhängig und weisen wesentliche Überschneidungen auf.

Können Sie das konkretisieren?

Blicken wir zunächst auf die Digitalisierung des Endkundenkanals. D. h. das bestehende Geschäft des Vermögensmanagers muss in die digitale Welt überführt werden. Endkunden erwarten momentan bereits mehr als die Branche in der Breite aktuell anbietet.

Unsere Postbox z. B. ist der ideale Einstieg in den digitalen Endkundenkanal. Mit der Postbox und gleichzeitig der Ablösung des konventionellen Postversands haben wir einen offenen interaktiven Infokanal zu den Kunden unserer Kunden geschaffen. Aktuell arbeiten wir am Ausbau: Mit intuitiv zu bedienende Dashboards erhält der Endkunde ein digitales Reporting mit Diagrammen, Tabellen und kann sich auch über die Depoteinsicht jederzeit selbst informieren. Über dieses Portal kann dann in Zukunft z. B. auch ein WpHG-Bogen online aktualisiert werden.

Insbesondere Vermögensverwalter können sich so einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und Kosten einsparen durch schnelle und sichere Zustellung. Umfang und Frequenz der Informationen sind flexibler, Interaktivität ist gegeben und vor allem eine sichere Verwahrung und digitale Dokumentation ihrer gesamten Kundenkommunikation.

Wie sieht es bei der Neukundengewinnung aus?

vwd Lösungen zielen auf die komplette Prozesskette: Von der Neukundengewinnung über die Profilierung & Kundenanalyse (Self Profiling) über die Beratung & Produktauswahl (Ex-ante und Ex-post Kostentransparenz, Zielmarkt, Geeignetheit) bis zum digitalen Customer Account mit Postbox (interaktives Reporting, z. B. Verlustschwellenüberwachung).

Unser Fokus liegt auf dem hybriden Kanal, d. h. von Robo-Advice-Ausprägung für die volldigitale Endkundenzielgruppe der hybriden Selbstentscheider über Möglichkeiten zur punktuellen Beratungsunterstützung bis zum digital gestützten vollumfänglichen Beratungsgespräch.


Ein weiteres großes Feld ist die interne Prozessdigitalisierung. Können Sie das noch konkretisieren?

Für die interne Prozessdigitalisierung bieten wir sehr weitgehende Lösungen, die von unseren Kunden eingesetzt werden, um unter anderem durch Automatisierungen Fehler zu reduzieren oder durch Prozessoptimierungen Effizienz zu steigern. Bei vielen Kunden laufen aber regelmäßig Projekte zur weiteren Optimierung, besonders für die Themenfelder Profilierung, systemunterstützte Anlagevorschlagsgenerierung, Pre- und Post-Trade-Compliance, Rebalancing sowie Reporting. Gerade aktuell zeichnet sich ab, dass an vielen Stellen für MiFID II eher schnell geschaffene Übergangslösungen weiter ausgebaut und effizienter gestaltet werden können und müssen.


Wagen Sie einen Blick in die Zukunft?

Fest steht, dass die Nutzung von digitalen Kanälen ein Must-have wird – darin sind sich alle einig. Was den Zeithorizont allerdings betrifft, liefert der Blick in Glaskugel unterschiedliche Einschätzungen. In der Breite erwarten wir eine Durchsetzung für die Bestandskundendigitalisierung in den nächsten 12-18 Monate und für die Neukundengewinnung in den nächsten 2 bis 3 Jahren.  Ebenfalls als gesichert sehen wir, auch auf Basis aktueller Projekte, dass sich Geschäftsmodelle wandeln. Der reine Produktvertrieb, wobei Produkt sowohl ein Wertpapier als auch eine Vermögensverwaltung sein kann, entwickelt sich weiter zu einem kundenorientierten fortlaufenden Beratungsansatz mit Financial Planning und Private Asset Liability Modelle.

Was bedeutet das für das vwd Lösungsangebot?

Wir sehen uns für die Zukunft gut gerüstet, da wir mit unserer modularen Private Wealth Suite Kunden die schrittweise Digitalisierung und Geschäftsmodelltransformation ermöglichen. Wir als Dienstleister werden den Gesamtmarkt bei der Digitalisierung des Vermögensmanagements mit weitreichend individualisierbaren, bezahlbaren integrierten Standardlösungen unterstützen. Damit ermöglichen wir die komplette Digitalisierung des Investmentprozesses anstatt nur Robo-Advice. So, wie wir es bei den bisherigen Herausforderungen mit unseren bewährten Produkten vwd portfolio manager und wvd advisory solution getan haben. vwd hebt sich hier vom sonstigen Markt ab, indem wir zahlreiche Kernkompetenzen sowie die pan-europäische Markterfahrung und -beobachtung in unsere Digitalisierungsplattform einbringen. Damit überführen wir regulatorische und regionale Trends besonders frühzeitig in innovative Produktlösungen.